- Magische Augen wiederbeleben, die Kaskade -



Viele Radiobastler kennen das Problem, das Radio ist fertig restauriert, aber das magische Auge bleibt dunkel. Eine neue Röhre wäre ideal, aber dafür muss man mittlerweile exorbitante Preise bezahlen. Also was tun?

Die Röhre ist definitiv nicht zu regenerieren, das Problem wird nicht durch emmissionsarme und taube Katoden verursacht, wie man es sonst von "müden" Röhren her kennt. Auch eine Erhöhung der Heizspannung bringt daher keine Verbesserung. Die Oberfläche der Leuchtschicht ist durch jahrelanges Ionenbombardement irreversibel zerstört worden.

Bei einem Gespräch mit Jogi Jogis-Röhrenbude streiften wir dieses Thema und Jogi erzählte mir von der Kaskade für magische Augen. Da ich viele verbrauchte magische Augen habe interessierte mich diese Kaskade sehr.

Wie funktioniert nun diese Kaskade? Die Kaskade ist nichts weiter als eine Spannungsverdopplerschaltung und besteht aus zwei Dioden und zwei Kondensatoren. Das Schaltbild verdeutlicht um was es dabei geht:





Die Spannung am Leuchtschirm eines magischen Auges liegt normalerweise zwischen 200V und 250V. Mit der Kaskade erhält man eine wesentlich höhere Spannung, zwischen 350V und 400V, je nach Trafo und Wert der beiden Kondensatoren. Diese höhere Spannung bewirkt eine stärkere Beschleunigung der emittierten Elektronen, so dass diese dabei tiefer in die Leuchtschicht eindringen und dadurch die noch wenig verbauchten Leuchtschichten anregen können. Man erhält dadurch keine neuwertige Röhre, aber man kann die vorhandene Röhre noch einige Zeit weiter benutzen. Ein Nachteil dar allerdings nicht verschwiegen werden. Die Ablenkempfindlichkeit des Auges ändert sich durch diesen Umbau!


Bei meiner Eumigette habe ich das mit einer wirklich völlig toten EM80 ausprobiert:


EM80 EM80


Oder hier mit einer EM34 bei diesem Radionette Menuett. Der Unterschied ohne/mit Kaskade ist deutlich zu sehen.


EM34 EM34


Die Kaskade ist schnell und einfach zusammengebaut. Mit den Kondensatorwerten kann man etwas spielen und damit die Höhe der Ausgangsspannung verändern. Die 470nF sind ein guter Kompromiss. Zu hoch sollte man die Spannung nicht machen, sonst könnte es Überschlage am Sockel oder in der Röhre geben. Bei den Kondensatoren ist auf ausreichende Spannungsfestigkeit zu achten! Die einzelnen Bauteile zusammengelötet:


Kaskade


Danach mit Schrumpfschlauch überzogen:


Kaskade


Und unter dem Chassis versteckt:


Kaskade


Immer wieder erreichen mich mails mit Fragen zum Anschluss der Kaskade. Dabei ist es eigentlich recht simpel.

Der Anschluss für den Leuchtschirm des magischen Auges wird von allen bestehenden Verbindungen abgetrennt. Evtl. hier angeschlossenen Widerstände bleiben dabei an dem alten Anschlussdraht des Leuchtschirmes. Nicht vergessen dieses Drahtende zu isolieren! sonst kann es an der Fassung zu ungewollten Kurzschlüssen kommen. Der nun völlig freie Leuchtschirmanschluss wird mit dem Ausgang der Kaskade verbunden. Der Ausgang geht also nur auf den Leuchtschirm, auf nichts anderes!

Eingangsseitig gibt es zwei Möglichkeiten, je nach Aufbau der Netzteilschaltung:

Ältere Radios haben häufig Röhrengleichrichtung und einen Trafo mit Mittelanzapfung der Anodenspannungswicklung. Diese Mittelanzapfung liegt dann auf Gerätemasse (Chassis). In diesem Fall geht Anschluss 2 an eine Seite der Anodenspannungswicklung am Trafo und Anschluss 1 an Masse.

Neuere Geräte haben dagegen einen Brückengleichrichter und eine Anodenspannungswicklung des Trafos ohne Mittelanzapfung. Auch in diesem Fall kommt Anschluss 2 an eine Seite der Anodenspannungswicklung des Trafos, Anschluss 1 kommt dagegen an den +Pol des Gleichrichters.


Weitere Hinweise zu diesem Thema gibt es in der Röhrenbude.