- Paulus-UKW -



Optisch passend zum SE-Verstärker im "Radiomanngehäuse", dem Paulus-45, wollte ich einen UKW-Tuner bauen. Es sollte ein Stereotuner werden, der in ein Radiomanngehäuse normaler Größe paßt. Der eigentliche Empfänger mit Miniaturröhren aufgebaut, über eine Doppeltriode im Globe- oder zumindest ST-Style auf dem Gehäuse sollte die NF dann ausgekoppelt werden. Es sollte kein "High-End-Teil" werden, aber die ortsüblichen Sender vernünftig empfangen können. Soweit die ursprüngliche Idee.... und dies ist dann daraus geworden, etwas völlig anderes:


Paulus-UKW

Paulus-UKW

Paulus-UKW


Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich Urlaub und etwas Zeit, also nahm ich das Projekt in Angriff. Nachdem ich dann ein "Radiomanngehäuse" in den Fingern hatte wurde aber schnell klar, so wie geplant geht das nicht. Die Gehäuse sind eh schon nicht sehr gross und die dickwandigen Holzseiten lassen kaum Volumen im Gehäuseinneren über. Also was tun?

Bei Pollin hatte ich vor ein paar Jahren mal UKW-Tuner-Module von Telefunken Temic 1890 für kleines Geld gekauft. Diese Tuner waren eigentlich für Autoradios von Chrysler gedacht. Im Forum von Jogis-Röhrenbude waren diese Teile seinerzeit mal besprochen worden. Ich hatte damals auch damit gespielt und war recht erstaunt über die Empfangsleistung gewesen. Diese Module bringen eigentlich alles mit, was man für einen Empfänger braucht, außer dem Stereodekoder. Auf einer Lochrasterplatine entstand dann ein erster Probeaufbau, für die Senderabstimmung benutzte ich erstmal ein 10-Gang-Spindelpoti.

Das Datenblatt des Tuner-Moduls.

Temic-Tuner


Nun ging es an den Stereodekoder. Aus alten Radioleichen hatte ich einiges an Dekodermodulen. Allesamt haben sie mich zum Wahnsinn getrieben. Entweder sie schalteten nicht um, rauschten fürchterlich oder quietschten und pfiffen nur vor sich hin. Außerdem benötigten sie eigentlich allesamt viel zu viel Platz. Ein modernes Dekoder-IC wollte ich als nächstes ausprobieren, aber leider fand sich soetwas in meinem Bauteilebestand nicht. Die Suche auf verschiedenen Schrottplatinen brachte schließlich noch die Reste eines VW-Beta-Autoradios zum Vorschein. Der darauf eingesetzte TDA1587 funktionierte dann glücklicherweise einwandfrei, weshalb ich dann den ganzen Dekoderkrams von der Schrottplatine abgelötet habe. Nun war der eigentliche Empfängerkern fertig und es war an der Zeit sich über die Pheripherie gedanken zu machen.


Verschiedene Anzeigeröhren die in die engere Auswahl kamen. Von links nach rechts: 6AF6G, 6ME5, EMM803, DM160, 6AL7GT.

Anzeigeroehren



Natürlich wünschte ich mir eine Feldstärkeanzeige mit einem magischen Auge und eine Stereoanzeige sollte auch vorhanden sein. Ebenso ein Schalter, um manuell auf Monobetrieb zurückschalten zu können. Eine Skala fehlte auch noch und optisch ansprechend aussehen sollte dann ja auch noch alles. Eine Kombination von Feldstärke- und Stereoanzeige wäre klassisch mit der EMM803 machbar, alternativ auch noch mit der 6AL7GT oder der 6AF6. Die 6AL7GT war aber zu lang und paßte nicht in das Gehäuse und es sah auch nicht schön aus. Die klassischen Augen, also auch die 6AF6 waren einfach zu dick, die Optik stimmte nicht. Die EMM803 hätte knapp gepaßt, allerdings habe ich nicht den notwendigen Gerätepark, um die für diese Röhre notwendigen Fräsarbeiten am Gehäusedeckel durchführen zu können. Alternativ spielte ich mit DM70/71 und DM160 herum, was mir aber auch nicht gefiel. In meinem Bestand fand sich noch eine 6ME5, optisch perfekt passend, mechanisch auch und die elektrischen Werte, vor allem des Gitters, paßten auch sehr gut.


Die 6ME5 im Gröenvergleich zu einem 10 Cent-Stück.

6ME5



Für die Sendereinstellung hatte sich die ursprüngliche Version mit dem 10-Gang-Spindelpoti bewährt. Ein "normales" Poti ist für diesen Zweck zu grob und ein Poti mit mechanischer Untersetzung hatte ich nicht. Also blieb es dabei. Normalerweise wird das Modul am Steuereingang von einer PLL-Schaltung gesteuert. Eine PLL-Schaltung wollte ich aber nicht auch noch aufbauen. Es wurde jetzt schon alles viel zu eng im Gehäuse. Damit handelt man sich allerdings auch einen Nachteil ein. Nach dem Einschalten muß man den vorher gehörten Sender neu suchen und ein wenig das Poti zurückdrehen. In den folgenden 5-10 Minuten driftet der Sender dann immer wieder etwas weg, so daß man manuell nachjustieren muß. Wenn der Temic-Tuner dann seine endgültige Betriebstemperatur erreicht hat bleibt der Sender über Stunden stabil eingestellt.


Paulus-UKW



Da die Sendereinstellung über eine Spannung erfolgt lag es auf der Hand, diese Spannung auch als Anzeige für die Frequenz-Skala zu nutzen. Ein übliches Anzeigeinstrument war mir zu grob und gefiel mir auch optisch nicht. Eine Anzeigeröhre wäre da schon schöner und so probierte ich eine russische IN-13 aus, eine stromgesteuerte Glimmanzeigeröhre. Blieb nur noch das Problem der Befestigung dieser Röhre. Glücklicherweise fanden sich genau zwei gleiche Kunststoffteile in meiner Grabbelkiste, die eigentlich Scharnierträger für Schaltschrankpulte waren, optisch gut paßten und sich mit meinen Möglichkeiten auch erfolgreich bearbeiten ließen (was nicht ganz einfach war). Immerhin mußten die Klötzchen den Glaskörper der Röhre aufnehmen, selber noch festgeschraubt werden und die Zuleitungen der Röhre müssen auch noch irgendwie nach unten durch. Die eigentliche Skala habe ich dann später am betriebswarmen Gerät abgenommen und entsprechend gezeichnet. Im Betrieb sieht es dann so aus:


Paulus-UKW



Nun war noch das Problem der Ansteuerung der 6ME5 zu lösen. Gebraucht wird eine negative Spannung am Steuergitter, während der Temic-Tuner eine positive Spannung abgibt. Diese liegt bei etwa 1,5V (kein Sender) bis 4V (voller Empfang). Die 6ME5 benötigt am Gitter eine Spannung von 0 - -4V, also genau andersherum. Für die Invertierung sorgt ein ICL7660, der vom Feldstärkeausgang des Temic-Tuners gespeist wird. Glücklicherweise reichen die 1,5V aus, um den Betrieb des ICL7660 aufrecht zu halten. Die drei in Reihe geschalteten Dioden am Steuergitter der 6ME5 bewirken eine Spreizung des Anzeigebereiches der Röhre. Ohne diese drei Dioden ist das magische Auge bei Betrieb ohne Sender bereits sehr weit ausgesteuert. Die Spannung des Feldstärkeausganges wird auch noch zur Umschaltung zwischen Mono- und Stereobetrieb genutzt, wobei die Schaltschwelle durch einen Trimmer einstellbar ist.

Schaltplan und Layout des kompletten Tunerteiles:

Tunerteil

Tunerteil



Als Netzteil fungieren zwei Printtrafos, wobei die Anodenspannung für die IN-13 und die 6ME5 über einen "rückwärts" betriebenen Printtrafo erzeugt wird. Diese Spannung wird auch zur Stereo-Anzeige durch ein Glimmlämpchen benutzt. Die Leuchtfarbe des Glimmlämpchens harmonisiert dabei sehr schön mit der IN-13. Eine Glühbirne hätte hier zuviel Leistung verbraucht (die Trafos sind eh an der Leistungsgrenze) und eine LED schied aus optischen Gründen völlig aus. Schaltplan und Layout des Netzteiles:

Netzteil

Netzteil



Der gesamte Aufbau erfolgt auf zwei Leiterplatten. Eine Leiterplatte für das Netzteil, die zweite Platine für den eigentlichen Tuner. Die Platinen sind selbst geätzt und komplett verzinnt.

Netzteilplatine

Tunerplatine

Tunerplatine

Tunerplatine

Fertig zusammengebaut sieht man, dass es im Gehäuse recht eng zugeht, und es an einigen Stellen doch auf den Millimeter ankommt.


Unterseite

Die Tunerplatine mit dem Temic-Modul (links).



Die 6ME5. Die Platine mit der Fassung lag gerade so herum und stammt aus einem alten Fernseher.





Für dieses Projekt wurden nur die beiden Drehschalter mit Knöpfen und die Folie zur Beschriftung der Frontplatte gekauft. Alle anderen Teile waren vorhanden, bzw. es wurde vorhandenes genutzt. Selbst die Befestigungsschelle der 6ME5 ist selbstgebaut.


Der Tuner paßt perfekt auf die Fensterbank. So sieht es dann bei mir aus: links der Tuner, rechts der passende Verstärker mit der 45 als Endröhre.

Fensterbank




Erfahrungsbericht:

Nach nun etlichen Wochen täglichen Betriebs bin ich nach wie vor mit diesem Tuner sehr zufrieden. Ein Nachteil stellt sich allerdings heraus. Die ursprüngliche Vermutung zu den Trafos bestätigt sich. Nach mehrstündigem Betrieb werden die Trafos so warm, das sich deren Innenwiderstand erhöht und es bei Stereobetrieb zu leichtem Brummen kommt. Bei Schalten auf Monobetrieb hört das Brummen wieder auf, dann wird die Gesamtstromaufnahme etwas geringer (Glimmlampe ist aus). Abhilfe könnte ein Low-Drop 12V-Spannungsregler schaffen, besser wären stärkere (und damit auch größere) Trafos, oder ein speziell für diesen Zweck gewickelter Trafo.

Zu verbessern ist auch die Beschaltung der IN-13. Die erste IN-13 funktionierte immer einwandfrei, bis sie es auf einmal, warum auch immer, nicht mehr tat. Optisch ist kein Schaden an der Röhre feststellbar. Eine neue IN-13 zeigt nun ein bisher nicht vorhandenes Phänomen. Nach dem Einschalten leuchtet die IN-13 nun irgendwo in der Mitte. Man kann entweder die Sendereinstellung komplett zurückdrehen (Verringerung des Ansteuerstromes) oder das Gerät kurz aus und wieder einschalten. In beiden Fällen springt der Leuchtstrich dann wieder zum linken Rand. Die Ansteuerschaltung sollte um einen zusätzlichen Transistor ergänzt werden, der erst bei durchgesteuerter Hilfskatode die Hauptstrecke verzögert frei gibt, so wie es auch im Datenblatt beschrieben ist.



Die Beschaltung der IN-13 wurde zwischenzeitlich geändert, das IN-13 Einschaltproblem ist damit behoben. Die notwendigen Bauteile T4, R31 und C2 habe ich nachgefummelt, diese drei Teile fehlen daher im Layout.